Windrad-Wartung auf 1.600 Meter Seehöhe

Was macht man eigentlich, wenn der Wind bläst, der Turm heftig wackelt und man eigentlich mal ganz dringend die Toilette benutzen möchte? Wir beantworten die spannendsten Fragen zur Windrad-Wartung.
Aktualisiert am: 31.03.20235 Min. Lesezeit
Ein Arbeiter mit einem orangefarbenen Helm führt Wartungsarbeiten an einer Windkraftanlage mit Bergen im Hintergrund durch.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Windkraftanlagen im Windpark Steinriegel stehen auf mehr als 1.600 Metern Seehöhe.
  • Die Anlagen werden halbjährlich gewartet. Beim Jahresservice werden zusätzlich Schrauben kontrolliert und nachgezogen.
  • Derzeit stehen im Windpark 21 Windräder, die jährlich rund 79.000 Megawattstunden Strom für etwa 23.000 Haushalte erzeugen.

Wien Energie betreibt Windkraftanlagen von der Steiermark bis ins Marchfeld. Damit die Anlagen zuverlässig arbeiten, werden sie regelmäßig von den Techniker*innen kontrolliert und gewartet. Die Techniker*innen führen Wartungsarbeiten auch dann durch, wenn der Wind mit bis zu 20 Metern pro Sekunde bläst und der Turm dabei schwankt.

Der Weg zum Windpark Steinriegel

Im Windpark Steinriegel grasen Kühe friedlich unter einem klaren blauen Himmel, während sich im Hintergrund langsam die riesigen Windräder drehen.
Copyright: Wien Energie/FOTObyHOFER/Christian Hofer

Rund 140 Kilometer südlich von Wien gelegen befindet sich einer der größten alpinen Windparks Europas. Der Windpark entstand in zwei Ausbauschritten: 2005 gingen die ersten zehn Anlagen in Betrieb, 2014 folgten weitere elf Windräder.

Wenn man der Panoramastraße auf die Rattener Alm folgt, kann man ihn kaum übersehen: den Windpark Steinriegel mit seinen Windrädern. Im Sommer führt eine beliebte Wanderroute der Region am Windpark Steinriegel vorbei.

Über die Gemeinde Ratten und die Panoramastraße gelangt man zu einem großen Parkplatz vor dem Windpark. Von dort aus bietet es sich an unter den mächtigen Windrädern bis zum Roseggerhaus auf der Pretul wandern. Im Winter ist die Anfahrt schon komplizierter, weshalb im Winter unsere Pistenraupe "Pistenbulli" den Weg freischaufelt.

Im Windrad geht's hoch hinauf

Anders als vielleicht erwartet, wird bei den 65 Meter hohen Windrädern im Windpark Steinriegel innen geklettert, und zwar zwischen Leiter und Turmwand. Auf der Innenseite befindet sich auch das Sicherungsstahlseil. Alle 10 Meter gibt es eine Metallluke, die durchstoßen werden muss. Der Aufstieg ist also schon mal sehr anstrengend. Obwohl erst oben die richtige Arbeit anfängt.

Das ist der Windpark Steinriegel

  • 21 Windräder stehen im Windpark Steinriegel
  • Die Windkraftanlagen befinden sich auf mehr als 1.600 Metern Seehöhe auf der Rattener Alm.
  • Gesamtdurchmesser der Rotorenblätter: 62 Meter
  • Jährlich werden 79.000 Megawattstunden Strom erzeugt.
  • Der Windpark deckt den Strombedarf von rund 23.000 Haushalten.
  • Halbjährige Wartung

Wartungsarbeiten am offenen Windrad

Wartungsarbeiten im Windpark

Oben angekommen, ist das Windrad im hinteren Teil geöffnet. Hier finden auch die Wartungsarbeiten unserer Techniker*innen statt. Auf dieser Höhe weht der Wind mit 15 Meter pro Sekunde (54 km/h). Der Länge nach verläuft der Antriebsstrang der Windturbine. Die Hauptwelle führt in ein großes Getriebe, von dort geht es weiter in den zylinderförmigen Generator.

Daneben bleibt nur wenig Platz für die Techniker*innen. Beim Halbjahresservice geht es hauptsächlich darum, zu schmieren. Erst beim Jahresservice werden dann auch Schrauben nachgezogen.

In der Windradnabe

Am vorderen Ende des Gehäuses befindet sich die Luke, durch die man in die Windradnabe gelangt. Das Windrad wird zunächst abgestellt und mittels einer großen Scheibenbremse über der Hauptwelle so angehalten, dass eine von drei Einstiegsöffnungen genau hinter der Luke liegt.

Das Windrad wird dann noch mechanisch verriegelt, bevor ein*e Techniker*in in die Nabe einsteigen kann. Klaustrophobisch darf man dabei nicht sein. Auf den ersten Blick sieht es in der Nabe wie in einem U-Boot aus. Leitungen, Rohre, Motoren, dreckiges Wasser.

Wenn das Windrad in Gang gesetzt wird

Wird das Windrad gestartet, drehen sich zunächst die Rotorenblätter um ihre eigene Achse, um dem Wind Angriffsfläche zu bieten. Der Windsensor am Heck des Gehäuses registriert, in welche Richtung der Wind bläst. Vier Motoren an der Basis des Turbinengehäuses drehen das Turbinengehäuse und den Rotor in die richtige Position. Die Rotorenblätter setzen sich erstaunlich schnell in Bewegung.

Gesteuert wird das Ganze durch ein unscheinbares Gerät mit kleinem Display an einem Kabel. Durch das Starten des Windrads wackelt der Turm nur geringfügig mehr. Ebenso steigt der Geräuschpegel nur wenig an. 

Das Getriebe der Anlage übersetzt die Rotordrehung wahlweise in 1.000 oder 1.500 Umdrehungen pro Minute. Der Generator ist auf diese fixen Drehzahlen ausgelegt. Neuere Anlagen, wie jene 11 Türme, die im Windpark Steinriegel im Jahr 2014 in Betrieb gingen, arbeiten mit variabler Drehzahl.

Jause und Toilettengang

Während der Pause halten sich die Wartungstechniker*innen im windgeschützten Teil des Turbinengehäuses auf. Der Proviant kommt über einen kleinen Lastenkran nach oben. Aber was ist, wenn man mal auf die Toilette muss? Da gibt es nur zwei Möglichkeiten – runterklettern oder durchhalten.

Ein paar Eindrücke vom Windpark Steinriegel

Update zum Windpark Steinriegel

Der Windpark Steinriegel wird in den kommenden Jahren weiterentwickelt. Mit dem Projekt Steinriegel III werden zwölf zusätzliche Windkraftanlagen in der Steiermark errichtet. Steinriegel III zählt zu den geplanten Windenergieprojekten von Wien Energie. Die geplante Leistung von Steinriegel III soll künftig sogar über jener des Windparks Loidesthal II liegen.

Schon gewusst? Im Jahr 1997 nahm Wien Energie das erste Windrad Wiens in Betrieb. Von der Planung über die Genehmigungsverfahren bis zur Fertigstellung eines Windparks können mehrere Jahre vergehen. Wie entsteht eigentlich ein Windpark?

Häufige Fragen zum Windpark Steinriegel